Schuljahresende und Abschluss der 10. Klasse

Ansprache an die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen

Liebe Schülerinnen und Schüler der 10.Klassen!

Ich beglückwünsche Euch ganz herzlich zu Eurem heutigen Tag, der etwas ganz Besonderes darstellt. Ein neuer Abschnitt in Eurem Leben beginnt! Ihr seid jetzt keine Mittelstufenschülerinnen und –schüler mehr. 

Als Ihr vor vier Jahren oder sogar vor 10 Jahren in diese Schule gekommen seid, schien dieser Tag noch sehr weit weg. 10.Klasse, Mittlerer Schulabschluss, Berufsbildungsreife? Worte, mit denen Ihr sicherlich schon etwas anfangen konntet, aber die doch noch wenig mit Leben gefüllt waren. Ab der 7. Klasse nahm dieses Leben dann aber spürbar zu. In jedem Jahr habt Ihr mehr erfahren über das Leben außerhalb der Schule und innerhalb von Arbeit und Beruf. Ihr seid „auf Tour“ gegangen, habt „Werkstätten“ angeschaut und in Betrieben „praktiziert“. Oder Ihr habt sogar für mehrere Monate im Jahr im produktiven Lernen in Betrieben als Praktikant*innen teilgenommen. Das hat Euch bereits etwas von der Welt gezeigt, aber auch von Euch und was Ihr einmal in dieser Welt machen wollt. Wo Ihr mitmachen wollt!

Viele haben dann ab der 9. Klasse richtig „losgelegt“. Denn sie wollten ein Ziel erreichen und haben dabei auch oftmals gleich jene mitgenommen, die vielleicht noch etwas unentschlossener waren. Ihr habt zusammen in Gruppenarbeit Präsentationen vorbereitet und Euch in OAZ Matheaufgaben erklärt. Das war gut und hilfreich. Für beide Seiten von Euch. Für diejenigen, die anderen helfen konnten und diejenigen, die durch die Hilfe sicherer wurden. Hilf mir, es selbst zu tun. Das ist ein Motto, das wir in unserer Schule von Maria Montessori übernommen haben und das uns sehr wichtig ist, Euch zu vermitteln. Wir hoffen, dass Ihr dieses Prinzip auch weitergeben werdet, egal, wo Ihr jetzt Euren Weg fortsetzt. 

Dieser, Euer 10. Jahrgang ist auch wegen den letzten eineinhalb Jahren besonders. Corona bedeutete für Euch, wie für alle Schülerinnen und Schüler in Deutschland und der ganzen Welt einen tiefen Einschnitt in das, was Schule eigentlich ist. In einer Klasse zusammensitzen, ein Thema gemeinsam erarbeiten, sogleich Fragen an die Lehrerin oder den Lehrer stellen, ein bisschen mit dem Nachbarn nebenan quatschen, den einen oder anderen sogar etwas ärgern. All das fiel weg. Ihr ward mehr als drei Monate zu Hause und dann nur mit halber Stärke in der Schule. Schule hat plötzlich nur noch in einem eigenen Zimmer, in der Wohnung eine Rolle gespielt und war damit manchmal ziemlich weit weg. 

Für viele Schülerinnen und Schüler war das eine schwere Zeit, sich selbst immer wieder an das Lernen zu erinnern und an die Videokonferenzen teilzunehmen, die dann langsam immer besser funktionierten. Dennoch, uns allen und vielen von Euch ist deutlich geworden, dass online-Lernen nicht das Atmen und die Gerüche, die fragenden und lachenden Gesichter und kleine Gesten ersetzen kann. Es hat uns allen sehr geholfen und vieles werden wir auch weiter anwenden, weiter entwickeln. Aber der persönliche Kontakt bleibt dennoch das, was das miteinander und voneinander Lernen ausmacht. 

Die Corona-Pandemie wird uns auch weiterhin begleiten. Auf Distanz gehen, Abstand halten, sich nicht berühren, keine Hände schütteln, all das hat auf der anderen Seite zu der Erkenntnis geführt, wie sehr wir genau diesen direkten Kontakt brauchen. 

Doch Distanz halten, sollte nicht dazu führen, nicht mehr miteinander zu sprechen. Leider hat die Pandemie auch zu mehr Aggression, mehr Unverständnis untereinander und Abgrenzung voneinander geführt. Gerade Ihr, die Ihr von unserer Schule kommt, solltet wachsam sein gegenüber Ausgrenzung und Diskriminierung. Denn das ist das, wofür unsere Schule mit ihrer Namensgeberin steht und immer stehen wird. Eine Schule für alle und mit allen!

Nach den Sommerferien fangen viele von Euch mit der Oberstufe an. Einige von Euch gehen in eine andere Schule und einige haben bereits eine Arbeitsstelle, an der sie einen Beruf erlernen werden.  

Es wird bei manchen ein neues Erwachen geben, das zum Wachsen dazu gehört. Wie auch im letzten Jahrgang habt Ihr keinen schriftlichen zentralen Schulabschluss ablegen müssen. Das war und ist für einige ein großer Vorteil gewesen. Doch nehmt diesen Vorteil nicht zu leicht. Macht etwas daraus und spornt Euch selbst an, weiter zu lernen. Egal, in welchem Raum, Ort und in welcher Schule Ihr sein werdet. Lernen heißt Leben, von Anfang an und bis zum Ende. 

Vor einigen Wochen habe ich gelesen, dass ein 96jähriger Mann seinen Universitätsabschluss geschafft hat und dazu meinte, jetzt kann das Leben beginnen! Eine fünfzigjährige Frau hat ihren Mittleren Schulabschluss in einer Abendschule abgeschlossen und fühlte sich endlich erwachsen. Ihr seht, Lernen und Abschlüsse machen, ist nicht an junges Alter geknüpft. Doch nutzt Eure Zeit jetzt und macht Euren Augen auf und Euren Kopf frei für das, was Ihr um Euch herum seht. 

Tragt dazu bei, dass die Welt auch weiterhin eine persönliche Welt bleibt und immer mehr eine wird , eine Welt für alle, die auf ihr leben, egal, welche Hautfarbe und welche Sprachen sie sprechen. Ihr seid zu Krisenmanager*innen geworden, auch wenn Euch die Krise vielleicht sehr gebeutelt hat. 

Never give up!

Ich wünsche Euch allen einen schönen Abschluss und einen guten Anschluss an diese 10 Jahre Schule, die ein wichtiges Fundament für Euch als Menschen gelegt haben. 

Nochmals herzlichen Glückwunsch!

Im Namen der gesamten Schule

herzlichst, Eure

Brigitte Kather

 

 

 

 

 

[ Kat, Di, 22.06.2021 ]